weekly#32 Was bleibt sind ...

Wehmut packt mich langsam. Ich bin doch gerade erst angekommen, am Ende der Welt und schwuppdiwupp sind jetzt elf der zwölf Wochen vergangen. Als ich Anfang September hereinflog war es um sechs Uhr abends schon fast dunkel, es war kalt und regnerisch. Von einem Tag auf den anderen bin ich vom Sommer in Europa gleich in den südhemisphärischen Winter gesprungen. Aber nach ein paar Tagen kommt man auch in den zeitlichen Rhythmus. Barbara und Ernie sind so liebevoll, fürsorglich und wir verstehen uns gut. Es ist einfach wunderschön hier und ich genieße jeden Tag.


... nette Menschen

Manches ist anders, die Uhren ticken langsamer und man trifft immer nette Menschen, mit denen man ein paar Worte wechselt. In keiner Kneipe oder Café bleibt man lange alleine. Entweder du sprichst jemanden an oder sie kommen auf dich zu. Wo kommst du her oder wo fährst du hin? Aus Germany – ahhh good. Und schon steht ein neues Bier auf dem Tisch. Viele waren schon mal in Europa oder haben Verwandte dort. Dann erzählt man, wie schön es hier ist, denn die Kiwis sind zurecht ziemlich stolz auf ihr Land. Einige Erwachsene und viele Kinder laufen barfuß, um die Natur zu spüren und aus Überzeugung. Casual, ungezwungen oder einfach bequem ist die Einstellung und die Kleidung hier. Überall gibt es Secondhand-Läden, wo man sich für kleines Geld komplett einkleiden kann. Das Geld sitzt hier nicht locker und einige kommen gerade so über die Runden. Aber man hilft sich gegenseitig. Das Green-Dollar-System ist allgegenwärtig. Wenn ich wiederkomme, dann kann ich bei ein paar Hosts im Tausch gegen ein paar meiner Fotos „gratis“ übernachten.

... viele Eindrücke

Das Autofahren ist ganz anders, nicht nur wegen des Linksverkehrs. Die meisten Kiwis fahren behutsam und halten sich an die Verkehrsregeln und Geschwindigkeiten. Gerade an Zebrastreifen wird automatisch immer gestoppt. Ich glaube, dass man andernfalls erschossen wird. Die Ausnahmen sind die Heavy Load Trucks mit den Baumstämmen oder der Milch, die haben es immer eilig. Die lässt man an den „slow vehicle bays“ dankbar mit einem doppelten Hupen überholen. Im nächsten Moment hat man einen großen Campervan mit Touristen vor einem, der die Serpentinen nur mühsam emporkommt. Aber ich habe Zeit und lasse mich treiben. Überall sind schöne Aussichtspunkte und Wanderwege ausgeschildert und bieten Platz im Schatten zum Ausruhen.

Egal, wo ich war, ich hatte auch nie Angst oder Furcht, dass etwas passieren könnte. Ich habe auch ein paar "Lost Places" gefunden, wo tatsächlich doch noch Leute leben - erstaunlich.

Bis heute bin ich über 4000 km gefahren, denn Neuseeland ist größer und die Wege weiter, als man denkt (ca. so groß, wie die alte BRD). Zudem gibt es wegen der Berge und der mäandernden Küstenstraßen keine „Abkürzung“ oder Alternativen, wenn z.B. ein State Highway wegen Erdbeben oder Washouts (starker Regen, Überflutung oder Erdrutsche) gesperrt ist.

... tolle Landschaften

Ich kann mich nicht sattsehen an den Wolken, den stillen Seen, den Sonnenuntergängen, den Wellen und der ungebändigten See – ach das ist immer anders und so wunderschön. Pure Natur und meist menschenleer. Ich liebe es.

Da ich drei Monate hier bin, habe ich den Travel-Modus auf „slow“ gestellt. An den meisten Orten war ich mindestens zwei Tage oder länger. Besonders hat es mir in Nelson und am Abel Tasman Nationalpark gefallen. Die Tasman Sea, die menschenleeren goldenen Strände, die schneebedeckten Berge ... alles ist ganz nah beieinander. Die Stadt Nelson hat von allem etwas: Kultur, den Saturday Market, nette Menschen. Wellington habe ich gleich zweimal besucht. Ich liebe es einzutauchen, den zweiten Blick zu erhaschen und hinter die Kulissen zu schauen. Den Tipps der Einheimischen folgen und am Ende bessere Fotos machen. Ich freue mich jetzt schon auf die Wiederkehr.