weekly#42 Bei diesem Film muss ich immer weinen

Die Knie werden weich, die Musik setzt ein, die Gefühle brechen durch und dann kannst du es nicht mehr verhindern. Warum auch ... das Wasser läuft nur so raus. Wann hattet ihr das letzte Mal bei einem Film Tränen in den Augen? Weil er so traurig war oder weil die Story einen ergreift? Bei „Walter Mitty“ war es bei mir wieder soweit.

 


Letztens habe ich mir mal wieder "Das erstaunliche Leben des Walter Mitty" (OT: The Secret Life of Walter Mitty) mit Ben Stiller angeschaut.

 

Ich liebe diesen Film, weil er eine Hommage an die Fotografie ist. Es geht um die Wertschätzung der Fotoreporter, es geht um Bilder in einem gedruckten Magazin und um die Magie, die aus ihr strömt. Es geht um Fantasie, um Liebe und Romantik, um einen Lebenstraum und um den Mut, ihn zu leben.

 

Walter Mitty ist Foto-Archivar beim "Life Magazin". Er ist der Wächter der wunderbaren Augenblicke, die bei dem renommierten Fotomagazin auf Papier gebannt wurden. Archiv! Negative! Papier! Wer braucht das in digitalen Zeiten noch, wenn alles kostenlos im Netz zu haben ist?

 

Für seine Fotoreportagen ist das Life-Magazin berühmt gewesen. Jetzt soll es nur noch Online erscheinen. Als Titelbild dieser fiktiven, letzten Ausgabe schickt der Starfotograf Sean O’Connel (Sean Penn) ein Foto, das „The quintessence of life“ darstellen soll, doch ausgerechnet das Negativ Nr. 25 fehlt auf dem belichteten Film.

Die Jagd nach dem einen Negativ wird zu einem grotesken Abenteuer, bei dem man nicht weiß, ob Walter mal wieder tagträumt. Jedenfalls springt Walter über seinen Schatten und er wird immer mutiger. Begleitet von Visionen, die oft von seiner angebeteten Cheryl handeln, beginnt Walter mehr und mehr die Leere seines bisherigen Lebens zu füllen.

 

Er wird mit einem total besoffenen Hubschrauberpiloten über Grönland fliegen, er wird mit dem Skateboard der Lava eines ausbrechenden Vulkans auf Island davon rollen und er wird mit einem Hai im Polarmeer gekämpft haben. Alles nur für das Negativ eines Fotos - das es eben nicht kostenlos im Internet gibt.

 

Walter folgt der Spur von Sean O’Connel und ist immer einen Schritt zu spät. Erst im Himalaya findet er ihn. Sean wartet auf das Auftauchen des Schneeleoparden, der so selten ist, dass man ihn Geisterkatze nennt. Von Sean lernt Walter nun die ultimative Lektion für das Leben. Dass man die Zeit nicht fürchten und bannen muss, erst recht nicht auf einzigartige Bilder. Dass man der Zeit sich hingeben und sich in ihr verlieren darf.

Ich mag auch die Szene, in der sich Walter in die Film-Geschichte von „Der seltsame Fall des Benjamin Button“ träumt und als „Babymann“ in den Armen seiner geliebten Cheryl liegt. Und ich liebe den Soundtrack mit seinen gefühlvollen Balladen. Aber wenn die tolle kanadische Indie-Band Arcade Fire laut „Wake up“ singt, dann wird man plötzlich richtig wach, reibt sich den Traum aus den Augen, dann rennst du los und startest endlich das richtige Abenteuer. Achtet auf die Titeleinblendungen im kurzen Video:

Hey Hey Hey ... Die isländische Band „Of Monsters and Men“ singt in "Dirty Paws" passend und rhythmisch von schmutzigen Pfoten im Wald der sprechenden Bäume. Klar, die Szene spielt in Island. Ich liebe die tollen Bilder, die Landschaft und die sprühende Freiheit.

2011 übernahm Ben Stiller das bis dahin glücklose Film-Projekt, als Produzent, Regisseur und Hauptdarsteller in Personalunion. Genau der Ben Stiller, der als Komiker gern schrill auftritt, ist in seinem Film zur Meditation gelangt. Man kann in seinem Film auch Verweise auf die Entwicklung bei „Newsweek“ herauslesen. In den USA erscheint seit 2014 wieder eine wöchentliche Printausgabe. In der Zwischenzeit (ab 2012) war das Magazin noch online verfügbar.

 

Schaut ihn euch an: Der Film ist eine Hymne an die Werte der (analogen) Fotografie. Am Ende findet sich das Negativ ... aber mehr sage ich nicht, denn Tränen rollen auf die Tastatur (schnief...). Hier ist die ultimative Szene mit Sean:

 

Das erstaunliche Leben des Walter Mitty, USA 2013

Regie: Ben Stiller, Buch: Steven Conrad basierend auf James Thurber. Darsteller: Ben Stiller, Kristen Wiig, Shirley MacLaine, Adam Scott, Kathryn Hahn, Sean Penn, Patton Oswalt, Ólafur Darri Ólafsson




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Kommentare: 1
  • #1

    Andreas Rüb (Sonntag, 04 Februar 2018 11:29)

    Stimmt! Der Film ist super! Aber so einige Dinge stimmen nicht ganz. Trotzdem sehr sehenswert.
    Lass es im Dschungel schneien,
    Andreas
    https://dschungelpinguin.com