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weekly#50 Es ist das Jubiläums-weekly ... ich freu mir wie Bolle

Da kiekste, dit jibbet eijentlich nur in Berlin .. bin noch ganz geflasht. Habe ich doch glatt in 24 Stunden drei für mich ganz besonders interessante Fotografen und Persönlichkeiten getroffen.

 

Das alles und noch viel mehr ... und zum Treffen mit Daniel Anhut, Martin U Waltz, Chris Candid und zuvor Hendrik Lohmann gibt es hier im 50. weekly ... ick freu mir wie Bolle. 


Was bewegt mich, wo war ich und wer bin ich gerade?

Inge H. und Volker K. haben mir kürzlich gesagt, dass ich (hier) persönlicher schreiben soll. Sie haben das Gefühl, dass ich in der oder durch die Fotoszene für außen Stehende etwas abgehoben erscheine. Das ist interessant, da sie es mir als echte Freunde spiegeln. Da habe ich eine Zeit lang drüber nachgedacht.

 

Dieser weekly als Newsletter geht via Mail an sehr viele Menschen, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Da sind die Verwandten, Bekannten und Freunde sowie viele Verlagskollegen. Hinzu kommen mindestens genauso viele Fotofreunde (auch über Facebook), die mich persönlich vielleicht noch nie getroffen habe. Im richtigen Gespräch, bei einem Bier oder bei einem Walk, da ist es für mich sehr einfach mit euch zu kommunizieren. Aber hier fällt es mir manchmal schwer, das was mich gerade umgibt oder persönlich bewegt an „schweigende Empfänger" zu senden. Andererseits ist es auch nur ein Newsletter und im realen Leben, wenn wir uns treffen, dann ist es (so sagen sie) Gott sei Dank wieder ganz normal.

 

Kommunikation, also quatschen und beim Bier treffen, das ist lebendig und direkt, das was ein Newsletter, eine Webseite … nie ist und sein wird. Aus diesem Grunde habe ich und werde ich noch mehr persönliche Treffen anstreben. Ich möchte einfach meine gewonnene Freiheit und meine mir selbst geschenkte Zeit mit interessanten Eindrücken füllen. Die alten Freunde wiedersehen, sie regelmäßig besuchen, aber auch die im Netz gewonnenen sehr aktiven Bekannten aus den Social-Media-Gruppen persönlich besuchen, wo immer sie zuhause sind. 


Mein 50. weekly - ein kleines Jubiläum

Trotz alledem und alledem … Und ich bin wirklich dankbar, dass ihr mir so regelmäßig, so zahlreich folgt und Feedback gebt. Eigentlich mache ich es ja nur für mich. Trotzdem fühle ich mich gut, wenn ich euch jeden Sonntag mit etwas Besonderem überrasche. Bis auf die paar Male im Hinterland von Neuseeland, wo es mit der Internetverbindung etwas schwierig war, ist mein weekly immer wie geplant „rausgegangen“. Am heutigen Ostersonntag, am 1. April feiere ich ein kleines Jubiläum und das freut mich wirklich, denn ihr lest gerade den 50. weekly. 

 

Es fing Anfang Mai 2017 mit einem Reisebericht über Madrid an. Ein paar Videos gab es zum Projekt #1DayInALife. Ich habe über Foto-Wettbewerbe berichtet und habe euch an manchen Sonntagen Tipps und Tricks zur Fotografie gezeigt. Die weekly#19 bis #33 hatten meine drei Monate in Neuseeland im Fokus. Zweimal hatte ich Gastbeiträge und wer weiß, was sonst alles passieren wird. 

 

Ich habe keine Ahnung, wie ich „rüberkomme“ - eigentlich ist es mir auch egal. Mein weekly ist mein weekly und es ist immer mein aktueller Gefühls-/Gemütszustand, wo ich gerade war, was ich erlebt habe und manchmal auch, wie ich mich gerade fühle. Mal fluppt es nur so und der Text fließt ganz easy und an manchen Samstagen ist noch keine Zeile notiert. Aber das öffnet mich und kitzelt die Kreativität. Wenn ihr Wünsche habt, dann lasst es mich wissen. Ich freue mich immer über eure Reaktionen. Vielleicht startet ihr auch so etwas?

 

Momentan fühle ich mich ausgesprochen gut. Es ist unfassbar, dass schon fast ein Jahr vergangen ist, dass ich meinen Job gekündigt habe und nun eigentlich nur noch das tue, was mir richtig Spaß macht. Das ist immer noch das Reisen, das Fotografieren, vermehrt alte Freunde und Fotografen treffen, das regelmäßige Verfassen des sonntäglichen weeklys und die Arbeit als Editor und Redakteur beim EYE-Photo Magazine. 


Hendrik Lohmann - What the hell are you doing on this planet?

Gerade die letzten Tage waren extrem spannend, weil ich seit diesem Jahr vermehrt für das EYE-Photo Magazine redaktionell tätig bin. Ich freue mich auf Interviews mit sehr bekannten Fotografen. Ich habe Hendrik Lohmann zuhause in Düsseldorf besucht und mit ihm über seine Street-Bilder, Portraits, seine sehr eigene "What the hell are you doing on this planet?“ Serie und auch über sehr Privates geplaudert. Jetzt weiß ich was „Flying Dogs“ sind. Das Interview mit einer tollen Bilderstrecke wird im Mai im EYE-Photo Magazine erscheinen. Mehr zu Hendrik auf seiner Webseite https://www.hendriklohmann.com. Hier ein paar seiner Meisterwerke ;-)


Daniel Anhut - Der Klang der Stille

Daniel Anhut ist ein stiller Mensch. Warum heiße Luft in die sozialen Medien zu pusten, wenn man durch seine Bilder tolle Storys erzählen kann. Mit viel Phantasie, Intuition und auch mit leiser Melancholie - gepaart mit einem Schuss Humor - kommen seine Bilder beim Betrachter an. Jeder kann dann auch seine individuelle Sicht interpretieren. Er geht mit Bedacht an seine Fotografie. Er ist kein Dauerposter und bei ihm zählt Substanz. Am letzten Montag habe ich in Berlin Marzahn die Ausstellung „Der Klang der Stille“ besucht und auch ihn dort interviewt. 

Er ist ein leiser Geschichtenerzähler, der die unvergleichliche Atmosphäre von verlassen Orten in seinen Fotos einfängt. Es gibt dort unzählige Möglichkeiten, um die Vergänglichkeit und die Spuren der Zeit fotografisch zu thematisieren. Er arbeitet mit wenig Equipment und versucht mit den vorhandenen Gegebenheiten, eine stimmige Atmosphäre zu schaffen. Vor allem das Spiel mit Licht und Schatten ist ihm wichtig. Sein Ziel ist es, Bilder zu erschaffen, die Emotionen und Gedanken wecken. Er liebt die kleinen und stillen Details, die einen veranlassen, sich Bilder länger anzuschauen und auch beim wiederholten Betrachten noch Reaktionen hervorrufen. Seine Bilder sind fast ausschließlich in schwarz-weiß, da diese Reduktion Klarheit und Ruhe schafft, die es ermöglicht, den Fokus auf Emotionen, Licht und Details zu lenken. Das Interview erscheint später im Jahr auch im EYE-Photo Magazine. Hier meine Lieblingsbilder und noch mehr von Daniel findet ihr auf http://www.daniel-anhut.de 


Martin U Waltz - Die Faszination des Urbanen

Fast jeder Fotograf, insbesondere jeder Straßenfotograf, kennt Martin U Waltz und Chris Candid. Es war für mich wie ein Lotteriegewinn, als ich die beiden anschrieb, dass ich für ein paar Tage in Berlin bin und sie gerne treffen möchte. Bingo! Beide haben sich Zeit für mich genommen. 

Martin U Waltz ist Fotograf und Künstler, Lehrer und Unternehmer in einem. Als studierter Ökonom und nach einer Karriere in Corporate Finance machte er seine lebenslange Leidenschaft für Fotografie zu seinem Beruf. Martin ist Gründungsmitglied des Berliner Fotografen Kollektivs Berlin1020. Er ist ebenso Mitgründer und Herausgeber von "Die deutsche Streetfotografie Seite". Martin hat zahlreiche internationale Fotografie Auszeichnungen gewonnen. Seine Arbeiten werden in Ausstellungen in New York, London, Dublin, Bukarest, Budapest, Rom und Berlin gezeigt. Martin ist ein leidenschaftlicher Fotografie Lehrer. Er liebt es, in seinen Street Photography Workshops sein Wissen weiterzugeben und den kreativen Austausch mit seinen Studenten. Martin lebt mit seiner Frau und seinen zwei Söhnen im Zentrum Berlins. Mehr zu seinen Bildern und seinem Stil findet ihr hier im Video ... auf auf seiner Seite streetberlin.net

Wir haben uns an der berühmten Currywurst-Bude beim Konnopke getroffen. Martin hat mir „seinen“ Prenzlauer Berg am Abend gezeigt. Fotografiert haben wir kaum, aber das ist ja meist so. Viel interessanter ist das persönliche Kennenlernen und der Austausch. Ich weiß jetzt, warum die Häuser nur fünf Etagen oder nur ca. 22 Meter hoch sind, die sog. Berliner Traufhöhe. Das ist die Distanz vom Bordstein bis zur Dachrinne. Neben Brandschutz und Brandbekämpfung war ein weiteres erklärtes Schutzziel die Rettung von Berliner Bürgerinnen und Bürgern. Zur damaligen Zeit waren die Treppenhäuser beinahe ausschließlich aus Holz und fingen schnell Feuer. Die Rettung wurde durch die Leitern der Feuerwehr gewährleistet, welche Ende des 19. Jahrhunderts eine Maximallänge von ca. 19 Metern erreichten. 

Für mich sind seine Bilder wirklich besonders und sie erzählen eine Story. Prägend ist seine Liebe für klare geometrische Kompositionen. Bei ihm ist nichts Überflüssiges im Bild. Er fragt sich stets, würde ein Maler „störende“ Elemente ins Bild zeichnen? 

Im Nachgang sind wir im gemütlichen Prenzlauer Prater eingekehrt. Er hat mir bei Speis und Trank meine eigenen mitgebrachten Foto-Ausdrucke konstruktiv kritisch durchgesehen und jede Tipps und Tricks zu meinen Bilder mitgegeben. Sein kritisches Auge sieht jede kleine ‚Unstimmigkeit‘. Ein Bild von mir hatte er gleich mit einem Schmunzeln wiedererkannt, weil er selbst es bei einem Wettbewerb der Streetlab0711 kuratiert hatte. Es mein Siegerbild beim Wettbewerb „Drama Baby Drama“ des Stuttgarter Fotokollektivs Streetlab0711. Hier nochmal für euch, weil es so schön ist ;-) 

"Das Bild ist voll und alles ist wichtig, wir wissen gar nicht was das primäre Motiv ist. Die bunten Schaufensterpuppen oder die Passantin mit dem "wtf"-Blick? Und dann die wunderbare Fortsetzung der Schaufensterpuppen durch die einzelne und hier angezogene Puppe im Laden. Und das leise und doch so fundamentale Drama: Was soll mir diese nackte bunte Konsumwelt sagen? Nach welcher dieser vielen Figuren soll sich die Frau ausrichten? Und dann die Schaufensterpuppen selbst: Bunte nackte Jungs ohne Penis, dafür einige mit Brüsten. Sehen Männer und Frauen heute idealerweise so aus? So viele Fragen in einem einzigen Bild, großartig."


Chris Candid - Die dunkle Seite von Berlin

Die Straßenfotografie von Chris Candid zeigt die dunkleren Seiten von Berlin. Er arbeitet gerne nahe an seinem Motiv und setzt häufig einen Blitz ein. Chris hat eine tolle Straßenfotografie Serie aus Japan mitgebracht. Seine Arbeiten wurden in renomierten Magazinen publiziert und wurden in den letzten Jahren in Hamburg, Berlin und London ausgestellt. Bei den Sony World Photo Awards 2017 wurde er als „commended photographer“ in der Kategorie Street Photography ausgezeichnet. 

Er ist kein Purist, was seine Fotokunst angeht. Er fotografiert auch in Farbe, zeigt manchmal auch Banales nur unter Druck setzen lassen, das möchte er nicht. Er ist ja quasi Foto-Amateur und er knipst und zeigt, das was er für gut hält. Was andere sagen, ist ihm eigentlich egal. Mehr seiner Bilder gibt's auf https://www.schirrmacher-fotografie.de

Jeder, der Christian Schirrmacher (aka Chris Candid) kennt, sagt, dass er ein echter Kumpel ist. Nichts ist gestellt oder aufgesetzt, er ist wirklich ein Typ zum Anfassen. Wir haben uns am Dienstag nach seiner Arbeit getroffen. Er hatte Lust auf ein Bier und wir zogen gleich in die nächste Hertha-Kneipe mit dem bezeichnenden Namen „Hansa-Stuben“, wo es DAB Bier im Schatten der Borsigwerke getrunken wird. Klingt fast wie Dortmund ist aber in Alt-Tegel. 

Mit Chris kommst du sofort ins Plaudern, nicht nur über Fotografie und Fotografen, sondern auch über seine Träume und Reisen. Er wollte auch von mir wissen, wie ich zu meiner SlowTravelTour gekommen bin und warum ich den Job geschmissen habe. Da kommt Neid auf, schmunzelt er. Er muss noch ein paar Jahre bis zur Rente. Zuletzt war er in Israel und hat dort ein paar seiner Fotofreunde getroffen. Echte Treffen sind echte Treffen, das kann Facebook und Co niemals bieten. Zumal ihm das ganze Soviel Media Gedöns oft zuviel ist. Er ist gerade raus, eckt manchmal an, aber er hat eine klare Meinung. Das finde ich dufte! 

Japan war eines seiner Traumziele, welches er 2016 bereist hat. Davon ist sogar ein Buch erschienen http://www.blurb.de/b/7605270-japan-drift. Er war auch in der gerade im Berliner C/O laufenden Irving Penn Ausstellung und wir haben uns beide über die Zigarettenstummel-Bilder von ihm amüsiert. Aber allein die wunderbaren Portraits von Penn sind schon das Eintrittsgeld wert. Hier ein paar Kostproben von Chris:

Seine Augen werden feucht, wenn er die Story von der Ankunft Barack Obamas mit der Air-Force One berichtet. Er ist ja eigentlich Polizist in Tegel, wo das Flugzeug auch gelandet ist. Er durfte nach einigem Hickhack in der ersten Reihe die ankommenden Staatsgäste mit seiner Kamera fotografieren. Das war schon eine kleine Sensation. Zusammen mit Martin U Waltz hat er auch Eric Kim getroffen. Und es war so, dass der berühmte Eric Kim die beiden Berliner treffen wollte und nicht umgekehrt. Oder das gegenseitige „Knipsen“ von Joel Mayerowitz und ihm in seiner letzten Ausstellung „Why Color“ im C/O. Es war ein wirklich tolles Treffen mit Chris und ich freue mich, wenn wir uns bald wieder sehen, egal wo ...


Mein fremdes Berlin im März 2018

Mir persönlich ist es in Berlin zu groß und zu laut. Trotzdem ist es ein wunderbarer Ort, um Kunst, Kultur und Ausstellungen zu sehen. Ich war in der Irving Penn Ausstellung, im Tränenpalast an der Friedrichstraße, in der Helmut Newton Stiftung und in der Berlinischen Galerie.

 

Zum Schluß ist doch der Frühling in das eiskalte Berlin gezogen. Das Bikini Berlin zeigt ein buntes Spiel aus Licht und Farbe. Die Berliner Künstlerin Camilla Richter schafft durch stehende sowie hängende Elemente aus dichroitischem Glas ein beeindruckendes Werk durch den gesamten Raum. Die Besonderheit an dichroitischem Glas: Je nach Beleuchtung und Betrachtung verändert sich die Farbe in Spiegelbild und Schattenwurf. So erwacht auf spielerische Weise die Lust auf den Frühling.  


Meine Fotorevue aus vier Tagen in Berlin



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