weekly#68 No risk, no fun und die Bux is voll

Jeder kennt einen Marathon. Auch wenn ein Fotomarathon nicht viel mit dem sportlichen Wettkampf gemeinsam hat, so ähneln sie sich durchaus, was die Themen Durchhaltevermögen, Motivation und Zielsetzung anbelangt. Heute gibt es eine Achterbahn der kontroversen Kreationen und komplementären Emotionen und ich sage euch, warum ich um 16 Uhr nochmal von vorn begonnen habe.


1 Tag | 8 Stunden | 12 Themen

Ich war in München und habe am 21.7. am Fotomarathon teilgenommen. Die Organisation war wieder vorbildlich und es gab sogar Süßigkeiten und Äpfel zur Stärkung. Es gab rund 150 Anmeldungen, aber das Regenwetter hat einige abgehalten, zum Paulaner am Nockherberg zu kommen. Der diesjährige Slogan des 7. Fotomarathon München: "Bereit sein ist viel, warten können ist mehr, doch erst den rechten Augenblick nützen ist alles" von Arthur Schnitzler (1862-1931). Nach einer kurzen Ansprache konnte der Wettbewerb pünktlich um 11 Uhr beginnen. 

 

Dann wurden die Karten mit dem Oberthema und den ersten sechs Aufgaben verteilt. Mannomann, das ist aber sehr anspruchsvoll. Es gilt neben dem Oberthema „Gegensätze ziehen sich an“ noch zwei weitere Antonyme - also gegensätzliche Wortpaare - ins Bild zu bringen. Bei der ersten Aufgabe mussten sogar drei Elemente berücksichtigt werden: das Oberthema, das Wortpaar und die Startnummer.

Oberthema: „Gegensätze ziehen sich an“

Vor einem Wettbewerb mache ich mir stets ein paar Gedanken, mit welchen Konzept, Stilmittel oder mit welcher Kamera-Objektiv-Kombi ich die unbekannten Aufgaben umsetzen möchte.

 

Viele schleppen ganze Rucksäcke voll mit Fotoequipment durch die Gegend. Das mache ich nicht, denn das würde mich nur ablenken, denn ich weiß, was ich dabei habe und was genau mit dieser Kombination möglich ist. Außerdem hasse ich schweres Gepäck.

 

Nach der Bekanntgabe lege ich erst mal eine Denkphase ein, in der man mit dem Oberthema und den ersten sechs Aufgaben mögliche Bildideen durchspielt.

 

Alles sollte eine eigene kreative Handschrift haben und der rote Faden muss erkennbar sein. Ich assoziiere erstmal länger rum, um dann die ersten Ideen gleich wieder zu verwerfen, weil Andere genau dies machen werden. 

Meine Entscheidung: Komplementärfarben

Irgendwann muss man sich entscheiden, ansonsten läuft einem die Zeit weg. Die Aufgaben müssen exakt in der gegebenen Reihenfolge auf die SD-Karte geknipst werden. Ich habe mich bei den Aufgaben für die Umsetzung von Komplementärfarben, also für Farbe entschieden. Dann habe ich mir einen Farbkreis geschnappt und 12 mögliche (gegensätzliche) Farbpaare rausgesucht. Also rot/grün und gelb/blau usw. Ebenso habe ich überlegt, mit Doppelbelichtungen oder mit Spiegelbildern die noch kommenden Wortpaare in Szene zu setzen. Das war recht kniffelig. Aber ich habe mir schon einige passende Einfälle notiert und Probeaufnahmen gemacht.

 

Es ist mir von Anfang an schwer gefallen, meine Komplementär-Idee auf alle Bilder anzuwenden. Erst war ich am Ost-Friedhof und habe mit Doppelbelichtungen und sowie mit gelb/violett, rot/grün und blau/gelb Kombinationen gearbeitet. Aber die ersten Bilder waren echt mies. Sie waren alle zu verschieden und es war nicht einfach, meine Intention und den roten Faden zu erkennen. Hier meine ersten drei missglückten Versuche.

Ich war einfach nicht zufrieden. Um 15 Uhr sollten die nächsten sechs (unbekannten) Aufgaben überreicht werden. Von da an hätte ich noch bis 19 Uhr Zeit, die zwölf Bilder in der richtigen Reihenfolge zu machen.

 

Dann kam ich auf die Idee, mit den Farbfiltern der Kamera zu experimentieren. Ansonsten bin ich absolut kein Fan dieser Spielereien. Aber hier fand ich es opportun, mit den kreischenden und quietschenden Farben zu spielen, von denen viele komplementär also gegensätzlich sind. Und sw-Bilder wollte ich auch nicht machen, weil sicher fast alle Teilnehmer diesen Weg gehen werden. Das war mir zu einfach.

 

Go your own way

Das besondere an der PEN-F von Olympus ist das Kreativ-Rad an der Kamerafront. Es ermöglicht den direkten Zugriff auf interessante Schwarzweiß- und Farbprofile sowie auf Art-Filter. Für Fans: ich habe den Aquarell-Filter ART12II im knalligen Negativ-Look ausgesucht. 

 

Normalerweise verwende ich sw-Profile. So lassen sich sehr harte Kontraste aber auch sanfte Farbtöne konfigurieren. Ganz ähnlich funktionieren die Farbprofile, hier lässt sich unter anderem die Farbsättigung festlegen. 

No risk, no fun - let's start again

Aus diesem Grunde habe ich am beschlossen, die Übergabe der weiteren sechs Wortpaare am Nachmittag abzuwarten und dann volles Risiko zu gehen. Um 16 Uhr ging es nochmal ganz vorn los. Da haben einige schon ihre fertigen Bilder abgegeben. Ich habe dann alle 12 Bilder in 90 Minuten neu geknipst. Die Ideen waren ja schon vorher da. Das kann auch voll in die Bux gehen ;-). Mal sehen, was raus kommt. Hier meine endgültigen zwölf Wettbewerbsbilder:

  1. Ruhe und Bewegung: Let's get up - Eine Person sitzt auf dem Stuhl und ist im Begriff aufzustehen, ein Fuß ist noch ruhend und der andere schon in Bewegung.
  2. Trocken und nass: Zwei passend gemachte Waschbecken auf dem Paulaner-WC.
  3. Illusion und Wirklichkeit: Das FC Bayern Logo an der Wand mit dem Tischkicker für die Amateure im Vordergrund? Ihr könnt euch aussuchen, was Wirklichkeit und Illusion ist.
  4. Hell und Dunkel: Die Helden des FC Bayern auf dem Poster mit negativ Optik der Bayernspieler Jerome Boateng, David Alaba und Javi Martinez mit dunkler und heller Hautfarbe.
  5. Spaß und Langeweile: Gibt es im Paulaner mehr Spaß mit Bier oder dem langweiligen Wasser? Oder umgekehrt?
  6. Hart und weich: Weiche Birne und harte Nuss, das war der Plan, aber es gibt im Sommer keine Nüsse, daher habe ich einen (harten) Stein ausgewählt.
  7. Scharf und mild: Ich weiß auch nicht, warum mir Merkel und Seehofer in den Sinn kamen? ;-) 
  8. Gut und Böse: Die beiden Protagonisten sind auch hier geeignet, oder? Mit dem gegensätzlichen Spiegelbild kann jeder denken, was er möchte. 
  9. Gefangen und frei: Ein freier oder beschränkter Geist? Meine Gedanken sind frei oder sind sie be/gefangen. Sei kein Betonkopf!
  10. Heiss und kalt: Ich war noch immer beim Paulaner, wo die Aschenbecher vor der Tür mit den Kippen nur so qualmten.
  11. Ängstlich und mutig: Ihr kennt das, wenn bei einem Film Jemand das schlimmste Geschehen mutig ertragen kann und der Andere sich die Augen zuhalten muss und die Decke über den Kopf zieht. Hier habe ich mir helfen lassen.
  12. Pech und Glück: Die Zahl 13 als Glück- und Unglückszahl. Das war's.

Am Ende werden die überflüssigen Bilder gelöscht, so dass nur zwölf Bilder auf der SD-Karte zum Einlesen abgegeben werden. Ich war schon verwundert, dass man, wenn die Idee gut ist, die Aufgaben recht schnell umsetzen kann. Jetzt liegt es in der Hand der 5-köpfigen Jury. Mehr zum Event auf fotomarathonmuenchen.de.

 

Die Termine für die Prämierung und Ausstellung werden noch bekanntgegeben.


Nichts ist unmöglich beim Fotomarathon

Das habe ich für euch gefunden. Rudolf Straubmeier setzte den Fotomarathon im Deutsches Museum mit Star Wars Figuren um. Am Ende des Tages musste er leider feststellen, dass auf dem ersten Bild die Startnummer fehlte. Sehr schade, doch er nahm's gelassen. Hut ab hierfür!!


Was letzte Woche geschah ...

Dieses Jahr findet das gigantische "La Gacilly Photo Festival" auch in Baden bei Wien statt. Auf einer Strecke von 4,5 Kilometer Länge in den Parks, Gassen und auf den Plätzen der Stadt werden über 2.000 Fotografien auf bis zu 300 Quadratmeter großen Leinwänden gezeigt. Der Eintritt ist kostenlos. Mehr im weekly#67


EYE-PHOTO MAGAZINE, ISSUE #7, JULY 2018

WE PROUDLY PRESENT OUR JULY ISSUE!

  • Interview with Manuel Martin
  • Column by Thomas Füngerlings
  • 12 fantastic Photo-Reviews

We present the EYE-Catching Moments, a selection of over 40 photographers, chosen by our online editors from our Facebook photo group.  

The EYE-Team wishes you a great summer and enjoy reading!

 

https://eye-photomagazine.weebly.com/eye-photo-magazine/eye-photo-magazine-issue-7-july-2018


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